Water Safety Guide Studie 2026: Was 1.834 Wassersportler:innen über Wassersicherheit wirklich denken

Sechs von zehn Menschen, die regelmäßig im, am oder auf dem Wasser unterwegs sind, haben bereits eine kritische Situation erlebt. Mehr als ein Drittel trägt dabei nie eine Auftriebshilfe. Und fast vier von fünf sind überzeugt, dass Schulen und Medien das Thema Wassersicherheit zu wenig behandeln.
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Water Safety Guide Studie 2026: Was 1.834 Wassersportler:innen über Wassersicherheit wirklich denken

Diese Zahlen sind keine Schätzungen. Das sind Befunde aus der RESTUBE Water Safety Guide Study 2026, für die wir 1.834 Wassersportler:innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt haben. Was dabei herauskam, überrascht an einigen Stellen, besonders dort, wo wir eigentlich Sicherheitsbewusstsein erwarten würden.


Die Studie: 1.834 Befragte aus dem deutschsprachigen Raum

Die Studie hat ein breites, wasseraktives Publikum erreicht. 82 % der Teilnehmenden kommen aus Deutschland, 13 % aus Österreich, 5 % aus der Schweiz. Knapp die Hälfte ist mindestens einmal pro Woche im, am oder auf dem Wasser. Das Geschlechterverhältnis ist nahezu ausgeglichen.

Aktivitätsseitig dominiert Schwimmen – mehr als vier von fünf Befragten geben es als ihre Hauptaktivität an. Dahinter folgen Stand-Up-Paddling, Familienausflüge ans Wasser, Schnorcheln und Bootfahren. Als Gewässer stehen Flüsse, Schwimmbäder und Seen ganz oben.

Die vollständige Studie mit interaktiven Daten und Grafiken findest du auf unserer Water Safety Guide Study 2026 Seite →


60 % erlebten kritische Situationen im Wasser – das Sicherheitsgefühl trügt

Fast 80 % der Befragten schätzen sich als gute oder sehr gute Schwimmer:innen ein. Mehr als zwei Drittel geben an, sich im Wasser sicher zu fühlen. Man könnte meinen: eine erfahrene, gut informierte Gruppe.

Und dann kommt die Zahl, die das Bild verschiebt: 60 % haben bereits eine kritische Situation im Wasser erlebt – mit sich selbst oder anderen. Mehr als jeder Dritte davon stufte die Situation als lebensbedrohlich oder zumindest sehr gefährlich ein. Jede fünfte Situation wurde als lebensbedrohlich eingestuft.

Die Selbsteinschätzung, sicher im Wasser zu sein, durch die sehr guten Schwimmkenntnisse und die tatsächlich erlebten kritischen Situationen stehen im Gegensatz zueinander. Körperliche Erschöpfung, unerwartete Strömungen, zu große Distanz zum Ufer – das sind keine theoretischen Risiken. Sie treffen erfahrene und unerfahrene Schwimmer:innen gleichermaßen.

Wer es selbst erlebt hat, beschreibt es konkreter. Von den 1.099 Befragten, die eine kritische Situation bejaht haben, berichten 949 von ihren Erfahrungen. Das Ergebnis ist aufschlussreich und an einigen Stellen überraschend.

Strömungen und Wellen stehen an der Spitze: 21 % der Befragten beschreiben eine Situation, in der Strömungen oder Unterströme zur Gefahr wurden und ebenso viele berichten von Wellen oder Brechern. Beides sind physikalische Kräfte, die sich durch Schwimmkompetenz allein nicht kompensieren lassen. Wer noch nie in einer Rip-Current-Strömung oder einem Wellenbrecher gefangen war, unterschätzt systematisch, wie schnell die Kontrolle verloren geht.

Was ebenso auffällt: In 20 % der Fälle ging es nicht um eine eigene Gefahrenlage, sondern um die einer anderen Person – ein Kind, Freunde oder Fremde. Ein Fünftel aller beschriebenen kritischen Situationen war also ein Rettungsversuch, kein eigenes Ertrinkungserlebnis. Das hat eine klare Konsequenz: Wasserrettungskompetenz ist keine Spezialdisziplin für Profis, sondern Wissen für jede Person, die Zeit am Wasser verbringt.

Als weitere Gefahren wurden Erschöpfung und Krämpfe (12 %), Boot- und Kenterungsunfälle (10 %) und plötzliche Wetterumschläge (6 %) angegeben. 5 % bilden die restlichen Kategorien.


Das Erfahrungs-Paradox: Wer mehr kann, riskiert mehr – und schützt sich trotzdem nicht immer

Hier liegt einer der neuen Befunde dieser Studie: 38 % aller Befragten tragen nie eine Auftriebshilfe im Wasser. Nur 16 % tragen sie immer. Der Blick auf andere Sportarten zeigt, wie schnell sich das ändern kann: Der Skihelm war lange kein Standard, stand für Überängstlichkeit und wurde eher belächelt. Heute tragen über 90 % aller Skifahrerinnen und Skifahrer in Deutschland freiwillig einen Helm – ohne bundesweite Gesetzespflicht, getrieben durch Aufklärung und einen kulturellen Wandel. Beim Fahrradhelm hat sich die Tragequote in Deutschland zwischen 2018 und 2023 von 23 % auf 44 % fast verdoppelt – ebenfalls ohne gesetzliche Pflicht. Die Auftriebshilfen im Wasser stehen noch am Anfang dieser Kurve. Aber die Parallele zeigt: Was heute die Ausnahme ist, kann morgen selbstverständlich sein.

73 % der Befragten, die sich als sehr gute Schwimmerinnen und Schwimmer einschätzen, haben bereits eine kritische Situation im Wasser erlebt – das ist die höchste Rate aller Fähigkeitsgruppen, deutlich mehr als bei denjenigen, die sich als ausreichende Schwimmer (51 %) oder unsichere Schwimmer (62 %) einstufen.

Was man nun erwarten würde: Diese Gruppe schützt sich am wenigsten, weil sie sich für unverwundbar hält. Das Gegenteil ist der Fall. Die sehr guten Schwimmer:innen tragen mit 23 % am häufigsten immer eine Auftriebshilfe und aber auch gleichzeitig mit 24 % gar keine Schutzausrüstung.

Warum passieren die meisten kritischen Situationen in dieser Gruppe? Eine mögliche Erklärung ist, dass sich diese Personen eher in Gewässer wagen, die mit mehr Gefahr einhergehen: weiter raus, bei stärkerem Wind, in Flüssen mit Strömung, im offenen Meer. Eine erhöhte Anstrengung und an das eigene Limit gehen könnten ebenfalls wesentliche Faktoren sein. Das Risiko steigt nicht, weil die Schwimmer:innen kompetent sind, sondern weil durch das Selbstvertrauen, das durch die Kompetenz entsteht, höhere Risiken eingegangen werden. Wer außerdem schon einmal in einer kritischen Situation war, ist unter Umständen eher gewillt, Schutzausrüstung zu tragen.

Schwimmfähigkeit, Sicherheitsausrüstung und kritische Situationen

Schwimmfähigkeit (Selbsteinschätzung) Auftriebshilfe „Immer" Auftriebshilfe „Nie" Kritische Situation erlebt
Sehr gut 23 % 24 % 73 %
Gut 14 % 42 % 56 %
Ausreichend 12 % 50 % 51 %
Unsicher 9 % 49 % 63 %*

Basis: 1.834 Befragte, RESTUBE Water Safety Guide Study 2026. *Gruppe „Unsicher": n=43, Wert mit Vorsicht zu interpretieren.

Aus der Tabelle wird klar erkenntlich: Die Schutzlücke liegt in der Mitte. Die Gruppe „Gut" ist mit 931 Personen die mit Abstand größte der Studie – mehr als die Hälfte aller Befragten. Sie kann längere Strecken schwimmen, fühlt sich sicher genug, um ins Freiwasser zu gehen und trägt trotzdem in 42 % der Fälle nie eine Auftriebshilfe. Nur 14 % tragen sie immer. 56 % haben aber bereits eine kritische Situation erlebt.

Noch deutlicher: Wer seine Fähigkeiten nur als „ausreichend" einschätzt und sich der eigenen Grenzen bewusst ist, trägt in fast der Hälfte der Fälle trotzdem gar keine Auftriebshilfe. Das Bewusstsein für die eigene Einschränkung führt also nicht automatisch zu mehr sicherheitsorientiertem Verhalten.

Das eigentliche Muster ist nicht Selbstüberschätzung bei den Erfahrensten – es ist mangelnder Schutz über alle Gruppen hinweg. Auch wer gut und ausreichend schwimmen kann, begibt sich in riskante bzw. kritische Situationen – ob gewollt oder ungewollt. Wer weniger gut schwimmen kann, trägt trotzdem keine Auftriebshilfe. Am Ende ist das Ergebnis dasselbe: Im Ernstfall ist man auf sich allein gestellt.

Dabei entsteht der Großteil der von den Umfrageteilnehmer:innen geschilderten kritischen Situationen nicht durch eigene Fehler, sondern durch externe Faktoren wie Strömungen, starker Wellengang oder, dass andere Personen in Not geraten. In einer solchen Situation kann Wissen schützen. Eine Ergänzung durch Schutzausrüstung ist jedoch ebenso angebracht.


Risikogruppen im Vergleich: Wer schützt sich – und wer nicht?

Junge Erwachsene: Am aktivsten, aber am schlechtesten ausgerüstet

Im nächsten Schritt werfen wir einen Blick auf die verschiedenen Altersgruppen. Die Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen fällt durch eine deutliche Lücke auf: Fast die Hälfte trägt nie eine Auftriebshilfe, nur etwa jede:r Zehnte trägt sie immer. Mit zunehmendem Alter kehrt sich das Bild um – bei den über 60-Jährigen trägt gut ein Viertel immer eine Auftriebshilfe.

Die DLRG-Ertrinkungsstatistik 2025 zeigt in der Altersgruppe der 11- bis 30-Jährigen einen Anstieg der Ertrinkungen: von 51 Todesfällen in 2024 auf 73 in 2025. Das ist ein beunruhigendes Signal. Dies deckt sich auch mit unserem Studienbefund: Wer jung ist und regelmäßig am Wasser unterwegs ist, trägt am seltensten Schutzausrüstung. Gleichzeitig sind die Ertrinkungszahlen gestiegen.

Eine weitere besorgniserregende Entwicklung in der DLRG-Statistik findet sich weiter oben in der Alterspyramide. Die Gruppe der 71+ Jährigen ist in den Ertrinkungsstatistiken absolut gesehen am größten – auch wenn die Zahlen im letzten Jahr etwas zurückgegangen sind (DLRG, Ertrinkungsstatistik 2025). Ältere Menschen sind körperlich anfälliger, unterschätzen Erschöpfung und Kälte und sind in der öffentlichen Diskussion über Wassersicherheit kaum präsent. Das sollte sich ändern.

SUP, Kajak, Angeln: Wie die Aktivität das Sicherheitsverhalten prägt

Nicht alle Wassersportler:innen verhalten sich gleich. Je nach Aktivität unterscheiden sich Risikoexposition, Ausrüstungsstand und Wissensstand erheblich.

Sicherheitsverhalten nach Wasseraktivität

Aktivität n Auftriebshilfe „Immer" Auftriebshilfe „Nie" Kritische Situation erlebt Rettungsmaßnahmen bekannt
Kajakfahren 193 29 % 17 % 72 % 56 %
Bootfahren / Segeln 345 21 % 23 % 70 % 58 %
Tauchen 207 17 % 22 % 75 % 75 %
Stand-Up-Paddling 626 20 % 28 % 62 % 48 %
Angeln 96 15 % 29 % 66 % 50 %
Schwimmen 1.526 14 % 41 % 60 % 48 %

Mehrfachantworten möglich. Basis: 1.834 Befragte, RESTUBE Water Safety Guide Study 2026.

Kajakfahrerinnen und Kajakfahrer zeigen das stärkste Sicherheitsverhalten: 29 % tragen immer eine Auftriebshilfe, nur 17 % nie. Eine gut entwickelte Sicherheitskultur in Vereinen und strukturierten Kursen macht den Unterschied.

Taucherinnen und Taucher haben die höchste Rate an kritischen Erlebnissen (75 %), aber auch das beste Rettungswissen (75 %). Eine intensive, formale Ausbildung hinterlässt Spuren.

Angler:innen verdienen besondere Aufmerksamkeit. Sie gehören zu den weniger sichtbaren Wasseraktiven – oft allein, ohne Vereinskontext, an Ufern mit Strömung, manchmal bei Dunkelheit. 65 % haben eine kritische Situation erlebt, knapp die Hälfte ist täglich oder wöchentlich am Wasser und trotzdem trägt nur ein kleiner Teil konsequent Schutzausrüstung. Risikoprofil und Sicherheitsverhalten passen nicht zusammen.

Schwimmerinnen und Schwimmer bilden die mit Abstand größte Gruppe und haben die niedrigste Rate beim konsequenten Einsatz von Auftriebshilfen: 41 % tragen sie nie. Dabei sind es genau Freiwasserschwimmer:innen, die Strömungen, Erschöpfung und die Distanz zum Ufer oft unterschätzen.

Frauen und Männer: Ein moderater, aber erklärbarer Unterschied

Ein Unterschied zwischen Männern und Frauen ist in den Daten sichtbar, sollte aber nicht überbewertet werden. Beim aktiven Einsatz von Auftriebshilfen – „immer" oder „manchmal" – liegen Männer mit 49 % leicht vor Frauen mit 42 %. Etwas mehr Frauen (42 %) als Männer (35 %) geben an, nie eine Auftriebshilfe zu tragen.

Einen Teil dieser Differenz erklärt die Aktivitätsstruktur: Männer sind im Sample häufiger bei Aktivitäten wie SUP, Kajak oder Bootfahren vertreten, also genau dort, wo Sicherheitsausrüstung kulturell stärker verankert ist. Der Unterschied ist real, aber weniger eine Frage des Geschlechts als der Aktivität.

Während sich der tatsächliche Einsatz von Auftriebshilfen zwischen Männern und Frauen kaum unterscheidet, zeigt sich bei den Ertrinkungszahlen ein deutlich stärkeres Gefälle: Im Jahr 2025 waren 82 % der ertrunkenen Personen männlich. Die DLRG führt dies vor allem auf eine höhere Risikobereitschaft, Alkoholkonsum sowie ein verringertes Gefahrenbewusstsein bei Männern zurück.

Interessant: Wenn es um eine mögliche Pflicht zur Sicherheitsausrüstung geht, befürworten Frauen diese deutlich stärker. Ein Zeichen, dass Bewusstsein vorhanden ist, sich aber in der Praxis noch nicht vollständig in konkretes Handeln übersetzt hat.


DLRG-Statistik 2025: Wo und wann Ertrinkungsunfälle in Deutschland passieren

Seen und Flüsse: Drei Viertel aller Ertrinkungsopfer

146 der 393 Ertrinkungsopfer in Deutschland 2025 kamen in Seen ums Leben, 136 in Flüssen. Zusammen entspricht das gut 70 % aller Todesfälle und damit dem mit Abstand gefährlichsten Gewässertyp in Deutschland.

Das passt zur Selbsteinschätzung unserer Befragten: Flüsse und Seen sind die häufigsten Gewässer für Wassersportaktivitäten. Kein Bademeister, keine Absperrungen, oft keine Mitbadenden in Sichtweite und dazu Strömungen, Untiefen, Algen und wechselnde Sichtverhältnisse, die im Schwimmbad nicht existieren.

Bemerkenswert ist dabei eine Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Realität. In unserer Studie geben 80 % der Befragten an, Meer, Strömung und Brandung als Risiko im Wasser wahrzunehmen. In der DLRG-Statistik jedoch stehen dem Meer in Deutschland lediglich 22 der 393 Ertrinkungsopfer gegenüber – weniger als 6 % aller Fälle. Ein direkter Vergleich der Gefährlichkeit ist daraus jedoch nicht möglich, da die Nutzung stark variiert: Im DACH-Raum verbringen deutlich mehr Menschen Zeit an Seen und Flüssen als am Meer. Dennoch zeigt sich: Während das Meer als besonders gefährlich gilt, passieren die meisten tödlichen Unfälle im Alltag – in vertrauten Gewässern wie Seen und Flüssen. Wer diese Diskrepanz kennt, richtet sein Sicherheitsverhalten gezielter aus und unterschätzt vertraute Gewässer nicht.

Ein anderes Bild zeigt sich bei den Ursachen: Hier decken sich die Antworten unserer Befragten mit den Zahlen der DLRG. Strömungen und Wellen – die beiden meistgenannten Kategorien in den eigenen Erlebnisberichten – sind genau die Kräfte, die in Seen, Flüssen und Meer im DACH-Raum tödlich werden: Flussströmungen, Unterwasserströmungen in Badeseen, Wellengang an großen Binnengewässern oder Meer.

Sommer als Hochsaison – aber das Wasser kennt keine Pause

Im Juni 2025 ertranken in Deutschland 69 Menschen, im August weitere 65. Die Monate Juni bis August machen mit 186 Todesfällen fast die Hälfte aller Jahres-Ertrinkungsopfer aus und konzentrieren damit das Risiko auf einen kurzen Hochsommer-Zeitraum.

Das klingt intuitiv – mehr Menschen sind im Sommer am Wasser. Was überrascht: Auch März (30) und November (22) zeigen relevante Zahlen. Wer in kühleren Monaten ins Wasser geht, unterschätzt oft die veränderten Bedingungen: kälteres Wasser, schnellere Unterkühlung, andere Strömungslagen.

Langzeittrend: Kein struktureller Rückgang in Sicht

In Deutschland ertranken 2025 laut DLRG 393 Menschen – 18 weniger als im Vorjahr. Auf den ersten Blick ein positives Signal. Der Blick auf die Langzeitkurve relativiert das: Nach dem Pandemiejahr 2021 mit 299 Todesfällen stiegen die Zahlen wieder auf 411 (2024) und 393 (2025). Vor der Pandemie lag der Wert bei 419 (2019). Die strukturelle Herausforderung ist nicht kleiner geworden (DLRG, Ertrinkungsstatistik 2025).

Regional zeigen sich große Unterschiede: Bayern führt mit 84 Todesfällen, gefolgt von Nordrhein-Westfalen (48) und Niedersachsen (47) – drei bevölkerungsreiche Bundesländer mit vielen natürlichen Gewässern und entsprechend hoher Exposition.


Kinder am Wasser: Gute Aufsicht, aber eine Schutzlücke bei der Ausrüstung

Mehr als die Hälfte der Befragten hat Kinder oder betreut Kinder am Wasser. Was sie dabei tun, zeigt zwei Seiten.

Die starke Seite: Über 80 % halten Kinder immer in Reichweite. Ebenso viele setzen klare Regeln und Baderegeln. Fast drei Viertel haben ihre Kinder in einen Schwimmkurs geschickt. Das ist eine solide Grundlage.

Die Lücke: Weniger als 60 % setzen konsequent auf Schwimmhilfen oder Auftriebshilfen. Etwa vier von zehn Eltern und Betreuungspersonen verlassen sich allein auf Beaufsichtigung, Schwimmkurs und Baderegeln als Schutzmaßnahme – ohne dem Kind einen passiven Schutzpuffer zu geben.

Die meisten Befragten finden, Kinder sollten zwischen vier und sieben Jahren sicher schwimmen können. Bis dahin ist Aufsicht allein kein vollständiger Schutz. Kinder unter 5 Jahren haben weltweit die höchste Ertrinkungsrate – laut WHO macht diese Altersgruppe fast ein Viertel aller globalen Ertrinkungsopfer aus. (WHO, Global Status Report on Drowning Prevention, 2024) Ein kurzer Moment der Ablenkung reicht.


Wissen und Training: Wie groß ist die Schutzlücke wirklich?

Nur knapp die Hälfte der Befragten gibt an, sicher zu wissen, wie sie bei einer Ertrinkenssituation reagieren würde. Weitere 42 % wissen es nur teilweise. 10 % wissen es nicht.

Besonders nachdenklich stimmt der Trainingsstand: 64 % aktiver Wassernutzer:innen haben seit mehr als 5 Jahren kein Sicherheitstraining besucht – 16,7 % noch nie. Die Konsequenz ist messbar: Wer im letzten Jahr ein Sicherheitstraining abschloss, weiß in 91 % der Fälle, wie in einem Notfall zu reagieren ist. Von denen, die noch nie ein Sicherheitstraining absolviert haben, wissen nur 17 %, wie im Notfall zu reagieren wäre. Gleichzeitig hat sich laut DLRG der Anteil nicht-schwimmender Grundschulkinder von 2017 bis 2022 von 10 % auf 20 % verdoppelt.

Letztes Schwimmkurs- oder Sicherheitstraining nach Geschlecht

Letztes Training Männlich Weiblich
Vor weniger als 1 Jahr 23 % 17 %
Vor 1–5 Jahren 19 % 14 %
Vor mehr als 5 Jahren 46 % 48 %
Noch nie 12 % 21 %

Basis: 1.834 Befragte, RESTUBE Water Safety Guide Study 2026.

Bei Frauen ist der Anteil derer, die noch nie an einem Schwimmkurs oder Sicherheitstraining teilgenommen haben, mit 21 % fast doppelt so hoch wie bei Männern. Einmal gelerntes Wissen verblasst. Techniken, die man nie geübt hat, funktionieren im Notfall kaum. Sicherheit im Wasser ist kein Zustand, den man einmal erreicht – sie braucht Pflege.

Das Urteil der Befragten über das System ist eindeutig: Fast 80 % finden, dass Wassersicherheit in Schulen und Medien nicht ausreichend behandelt wird. Nur jeder Vierzehnte findet das Thema ausreichend behandelt. Das ist ein klarer gesellschaftlicher Befund.


Fünf Schlussfolgerungen für mehr Sicherheit am Wasser

Wissen schützt, wenn es in Verhalten übergeht. Aus den Daten der Water Safety Guide Study 2026 ergeben sich fünf Punkte, die für alle relevant sind, die Zeit am Wasser verbringen.

  1. Selbstüberschätzung ist das zentrale Risiko. Wer sich für einen guten Schwimmer:in hält, verzichtet oftmals auf Schutz. Das gilt besonders für gut schwimmende Gelegenheitssportler:innen, die die Risiken von Strömungen, Erschöpfung und körperlichen Problemen systematisch unterschätzen.
  2. Auftriebshilfen gehören zur Ausrüstung, nicht zur Ausnahme. Sehr gute Schwimmer:innen tragen sie häufiger – weil sie wissen, was im Wasser wirklich passieren kann. Wer regelmäßig am Wasser ist, sollte diesen Schluss ziehen.
  3. Gelegenheitssportler:innen und Angelnde brauchen mehr Aufmerksamkeit. Sie verbringen viel Zeit an Gewässern, ohne in einem Vereins- oder Kurskontext zu sein, der Sicherheit kultiviert. Risikoprofil und Sicherheitsverhalten passen nicht zusammen.
  4. Kinder brauchen Schutzausrüstung, nicht nur Aufsicht. Beaufsichtigung ist unverzichtbar, aber kein Ersatz für körpernahen Schutz. Bis Kinder wirklich sicher schwimmen können, bleibt eine Auftriebshilfe – neben Aufsicht und Schwimmkursen – der entscheidende Puffer.
  5. Sicherheitswissen braucht Auffrischung. Ein Schwimmabzeichen aus der Kindheit genügt nicht. Wer wirklich vorbereitet sein will, übt regelmäßig – Rettungsgriffe, Verhaltensregeln, Selbstrettungstechniken – und kann im Notfall sich selbst aber auch andere in Not geratene Personen retten.

Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick

  • 1.834 Befragte aus dem deutschsprachigen Raum, 82 % aus Deutschland
  • 60 % haben bereits eine kritische Situation im Wasser erlebt
  • 38 % tragen nie eine Auftriebshilfe – nur 16 % tragen sie immer
  • Erfahrungs-Paradox: Sehr gute Schwimmer:innen haben die meisten kritischen Erlebnisse (73 %) und tragen gleichzeitig am häufigsten Auftriebshilfen (23 % immer)
  • Angelnde sind eine übersehene Risikogruppe: regelmäßig am Wasser, viele kritische Erlebnisse, aber unterdurchschnittliche Ausrüstungsquote
  • Kinder: Aufsicht ist weit verbreitet, Schutzausrüstung aber noch nicht bei jedem selbstverständlich
  • Fast zwei Drittel haben seit mehr als 5 Jahren kein Sicherheitstraining besucht oder noch nie
  • 79 % finden, Wassersicherheit wird gesellschaftlich nicht ausreichend thematisiert
  • In Deutschland ertranken 2025 laut DLRG 393 Menschen – 82 % männlich, gut 70 % in Seen und Flüssen

Die vollständige Studie mit interaktiven Daten und Grafiken findest du auf unserer Water Safety Guide Study 2026 Seite →


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RESTUBE ist ein deutsches Unternehmen für Wassersicherheit, das 2012 gegründet wurde. Wir entwickeln kompakte, aufblasbare Sicherheitsvorrichtungen, die von Schwimmern, Paddlern, Anglern und Wassersportlern auf der ganzen Welt genutzt werden. Der RESTUBE Water Safety Guide ist Teil unserer umfassenden Mission: Wir wollen die Zahl der Ertrinkungsunfälle durch zugängliche, evidenzbasierte Aufklärung verringern - unabhängig von unseren Produkten. Wir arbeiten mit Wassersicherheitsexperten, Rettungsorganisationen und Outdoor-Gemeinschaften zusammen, um die Zeit auf dem Wasser für alle sicherer zu machen.

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