Im offenen Meer bin ich Gast. Ich bin die Ocean’s Seven geschwommen, sieben Meerengen rund um die Welt, als sechzehnter Mensch weltweit und als erster im deutschsprachigen Raum. Nach vielen Stunden im offenen Ozean unter teilweise extremen Bedingungen weiß ich vor allem eines: Der Ozean richtet sich nicht nach mir. Ich richte mich nach ihm.

Fakten über André Wiersig:
- Geboren 1972 in Bochum
- Erster Mensch, der vom deutschen Festland nach Helgoland geschwommen ist (48,5 km, 2021)
- Botschafter der UN-Ozeandekade und Gründer der Meeresinitiative theBlueHeart
- Bekannt aus der ZDF-Dokuserie Man of the Ocean
Niemals allein.
Wer weit hinausschwimmt, braucht Begleitung. Bei meinen Querungen fährt immer ein Begleitboot mit, das navigiert und das Wetter im Blick behält. Dicht neben mir paddelt zusätzlich ein Kajak, denn das große Boot darf mir nicht zu nahe kommen. An der Küste reicht oft schon ein Mensch an Land, der weiß, wo du schwimmst, welche Strecke du geplant hast und wann du zurück sein willst.

Sichtbar bleiben.
Zwischen den Wellen ist ein Kopf kaum zu erkennen, weder für Boote noch für Surfer oder Retter. Eine knallige Badekappe und eine auffällige Boje machen dich sichtbar und können dir im Notfall zusätzlichen Auftrieb geben.
Das Wasser lesen.
Strömung und Gezeiten gehören zu den stärksten Kräften da draußen. Sie können dich stundenlang auf der Stelle halten oder weit von deiner geplanten Route abbringen, egal wie hart du kraulst. Ich plane keine Querung ohne Menschen, die Strömungen berechnen und das Wetterfenster kennen. Informiere dich vor jedem Schwimmen über Gezeiten, Strömung, Wind und Wassertemperatur. Gerätst du in eine starke Strömung, versuche nicht, sie mit Gewalt zu besiegen. Bleib ruhig, orientiere dich und ändere deine Route oder brich das Schwimmen ab. Bei einer Rückströmung vom Strand weg gilt: nicht dauerhaft gegen die Strömung ankämpfen, sondern seitlich aus ihr herausschwimmen.

Kälte ernst nehmen.
Ich schwimme immer nur in Badehose. Im Nordkanal zwischen Irland und Schottland hatte das Wasser zwölf Grad. Mein Körper hat sich über Jahre daran gewöhnt, und trotzdem ist Kälte eine Gefahr, die sich leise anschleicht. Überschätze niemals deine Erfahrung und warte nicht darauf, dass dein Körper deutliche Warnsignale sendet. Wer stark zittert, nicht mehr klar denkt oder die Finger nicht mehr richtig bewegen kann, muss raus aus dem Wasser. Taste dich langsam an kaltes Wasser heran und steigere die Dauer Schritt für Schritt.
Respekt statt Angst.
Da draußen begegnen dir Quallen, Dunkelheit und manchmal auch ein Hai. Angst kann schnell Panik auslösen, und Panik ist im Wasser ein gefährlicher Gegner. Respekt dagegen macht aufmerksam. Wer ruhig bleibt, atmet ruhig, schwimmt ruhig und trifft bessere Entscheidungen. Die Tiere sind dort zu Hause. Wir sind die Besucher.

Umkehren ist Stärke.
Die wichtigste Entscheidung fällt oft nicht beim Start, sondern unterwegs. Wenn Wind und Wellen zunehmen oder dein Körper Grenzen meldet, ist Aufhören kein Scheitern. Leg vorher fest, wann du umkehrst, und halte dich daran, auch wenn das Ziel schon zum Greifen nah ist. Das Meer ist morgen auch noch da.
Wer so vorbereitet hinausschwimmt, erlebt etwas Großartiges: die Schönheit des Ozeans aus der direktesten aller Perspektiven. Und genau dafür lohnt es sich, sicher zurückzukommen.
KOSTENLOSER Schwimmen Wassersicherheitsguide
Alles, Was Du Für Deine Sicherheit Brauchst
Kritische Gefahren, aktivitätsspezifische Tipps und die richtige Ausrüstung – alles in einem Guide. Melde dich für unseren Newsletter an und hol dir den Guide als kostenloses, druckbares PDF.
Water Safety Guide
Mehr Artikel über Schwimmen
Finde alle Artikel zu Schwimmen in unserem kostenlosen Wassersicherheits-Guide.
-
PRÄVENTIONARTIKEL LESEN →Trinken, Essen, Schwimmen, Wiederholen: Der komplette Hydrations- und Ernährungsleitfaden für Schwimmer
Schwimmen fordert den Körper mehr, als die meisten Menschen vermuten. Ob ambitioniertes Training oder entspannte Bahnen im Freibad - was du isst und trinkst, wirkt sich direkt darauf aus, wie du dich im Wasser fühlst und wie schnell du dich danach erholst. Die richtige Ernährung vor dem Training liefert die nötige Energie für deine Leistung. Die richtige Ernährung nach dem Training baut deine Muskeln wieder auf. Und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr entscheidet darüber, ob du konzentriert bleibst oder frühzeitig ermüdest. Dieser Ratgeber erklärt alles, was Schwimmer:innen wissen müssen: vom Kalorienbedarf und dem richtigen Mahlzeiten-Timing bis zur Wahrheit über den Snack nach dem Schwimmen - und warum es höchste Zeit ist, den alten Mythos rund ums Schwimmen nach dem Essen zu überdenken.
-
SCHWIMMAUSBILDUNG & WASSERKOMPETENZARTIKEL LESEN →Schwimmfähigkeit vs. Wassersicherheit: Warum Schwimmen können nicht reicht
Viele Menschen, die ertrinken, konnten schwimmen. Das ist kein Widerspruch – es ist eine der wichtigsten Erkenntnisse der modernen Wasserrettung. Denn Schwimmfähigkeit und Wassersicherheit sind nicht dasselbe. Kälte, Erschöpfung, Strömungen und Stress können selbst erfahrene Schwimmer:innen in Sekundenschnelle an ihre Grenzen bringen. Dieser Artikel zeigt, welche Faktoren im Ernstfall wirklich entscheiden – und was echte Wasserkompetenz von bloßer Schwimmtechnik unterscheidet.
-
GRUNDLAGEN & GEFAHRENARTIKEL LESEN →Hydrodynamik Verstehen: Strömungen, Brandung Und Wasserbewegung
Wasser ist niemals passiv - es trägt, drückt und zieht. Unter jeder ruhigen Oberfläche wirken unsichtbare Kräfte, die Strömungen, Brandung und Wasserbewegungen auf eine Weise formen, die die meisten Menschen nie wahrnehmen. Zu verstehen, wie Wasser sich bewegt, warum bestimmte Stellen weit gefährlicher sind als sie erscheinen und wie man sie erkennt und richtig reagiert - das kann den entscheidenden Unterschied machen, wenn es darauf ankommt.

































