RESTUBE: Was hat dich zum Freiwasserschwimmen gebracht?
Nathalie: „Meine Story fängt ganz früh an. Ich habe Schwimmen gelernt mit fünf Jahren ganz normal im Schwimmkurs, wobei eigentlich habe ich im Urlaub die ersten Schwimmerfahrungen gemacht. Schwimmen hat mir total Spaß gemacht und ich wurde schnell besser. Ich bin dann in den Schwimmverein gegangen und habe dann schon bald meine ersten Wettkämpfe gemacht – damals 25 Kraul, also eine Bahn. Ich bin dann bis heute beim Schwimmen geblieben und so kam dann irgendwann nach meiner kompletten Kindheit und Jugend im Becken einfach eine Phase, wo ich den Spaß verloren hab am Schwimmen und tatsächlich am Überlegen war, ob ich einfach komplett aufhöre mit dem Sport. Aber dann haben mir meine Eltern zum Glück ein Buch geschenkt von Lynne Cox Die Eismeerschwimmerin, wo sie sehr genau beschreibt, wie sie den Ärmelkanal durchschwimmt. Das hat mich einfach sehr inspiriert und fasziniert, ich habe einfach so viele Parallelen zu mir gesehen. Mein Lebensziel damals war dann, den Ärmelkanal zu durchschwimmen und so hat das angefangen.“
RESTUBE: Wie kommt es zu deiner Leidenschaft Freiwasserschwimmen?
Nathalie: „Also ich glaube, das ist über ganz viele Jahre entstanden. Ich bin immer schon von klein auf gerne im Wasser gewesen. Ich habe das Wasser geliebt, war nie aus dem Wasser zu bekommen und es hat sich tatsächlich mit all den Jahren einfach immer verstärkt. Ich habe mich jedes Mal aufs Training gefreut. Jeden Tag wusste ich, dass es der schönste Teil des Tages wird.
Und ich bin einfach extrem froh und stolz, dass ich wirklich mein Leben lang dabei geblieben bin und nie aufgegeben habe, denn gerade heute erlebe ich einfach wunderschöne Momente im Meer da draußen. Und mit mir selbst zu sein über so viele Stunden mit meinen Gedanken, das ist einfach ganz besonders. Diese Leidenschaft zum Meer, einfach diese Freiheit da draußen mit sich zu sein, wirklich auch ohne Ablenkung, nur mit sich und seinen Gedanken, das hat man in der heutigen Welt einfach nirgendwo mehr. Und an seine Grenzen zu gehen, den Körper zu pushen, auch zu sehen, was wir leisten können, wenn wir wirklich uns 100 Prozent auf eine Sache fokussieren.“
Fakten über Nathalie Pohl:
- Geboren 1994 in Marburg
- Erste deutsche Frau, die die Ocean's Seven geschafft hat – die sieben härtesten Meerengen der Welt
- Von Frankfurt nach Köln geschwommen: über 200 km durch Main und Rhein in vier Tagen (2026, Staffel)
- Autorin von Im Meer bin ich zu Hause (2024)
RESTUBE: Was ist das Besondere am Freiwasserschwimmen?
Nathalie: „Es gibt ganz viele Sachen, die sehr besonders sind. Ich glaube, der größte Unterschied ist, dass wir jetzt in der freien Natur schwimmen und vorher war alles sehr geplant im Becken. Ich wusste, ich starte zum Beispiel sonntags um 13 Uhr, und so und so lange schwimme ich, und dann ist es wieder vorbei – und es ist einfach da draußen unplanbar.
Ich bin von so vielen Faktoren abhängig, die ich nicht vorher planen kann: von Wind, Strömungen, all diesen Sachen, wo ich keinen Einfluss drauf habe und das macht es sehr besonders. Auch sehr herausfordernd, also muss man mental einfach extrem fit sein, um diesen Sport auszuführen. Außerdem natürlich auch diese unendlichen Distanzen, die ich heute schwimme. Da kommt auch ganz viel dazu, wie die Wassertemperatur, die teilweise unter 13 Grad ist, in der ich schwimme. Man sieht einfach wirklich, wie der Körper sich einfach verändert und anpasst und was er im Stande ist, zu leisten und das ist auch das Besondere.“

RESTUBE: Was sind die offiziellen Regeln bei den Ocean's Seven?
Nathalie: „Die offiziellen Regeln bei den Ocean’s Seven sind: kein Neoprenanzug, wir dürfen einen ganz normalen Badeanzug anziehen, eine Schwimmbrille und eine Badekappe und das war's. Ansonsten gibt uns das Begleitboot den Weg vor und wir dürfen das Boot nicht berühren. Wir dürfen anhalten zum Trinken, aber uns wird die Flasche zugeworfen und das ist es. Und ansonsten müssen wir nonstop von A nach B schwimmen, das sind die Regeln, die die Ocean’s Seven bestimmen. Wenn man alle sieben geschafft hat, dann hat man die Ocean’s Seven durchschwommen.“
RESTUBE: Welche Gefahren gibt es?
Nathalie: „Es sind natürlich ganz viele. Also zum einen ist natürlich die größte Gefahr die Unterkühlung und Hypothermie, also wirklich starke Unterkühlung, wenn man so lange in so kaltem Wasser ist. Dann natürlich einfach generelle Erschöpfung, wenn man bis zu 15 Stunden schwimmt. Dann natürlich diese Unvorhersehbarkeit von Wetterbedingungen, die sich so, so schnell ändern können. Gerade in der Cook Strait war ich sechs Stunden wie in einem Pool, und innerhalb von zehn Minuten, nachdem sich der Wind und alles geändert hatte, waren drei Meter hohe Wellen und man kämpft gegen alles.
Aber natürlich sind die Strömungen da draußen einfach unberechenbar, auch gerade für Leute, die das nicht als Leistungssport machen. Und ich würde auf gar keinen Fall irgendwo schwimmen gehen, wo ich nicht genau weiß, was dort für Bedingungen herrschen. Das kann wirklich lebensgefährlich werden.“
„Trotz Begleitboot schwimmt man alleine da draußen. RESTUBE hilft mir, meinen Fokus beim Schwimmen zu halten. Das super kleine Safety System hat am Körper getragen keinen Strömungswiderstand und ist schwerelos im Wasser. Ein Zug am Auslöser bläst die gelbe Sicherheitsboje in Sekunden auf, das gibt mir ein noch besseres Gefühl.“ ~ Nathalie Pohl, Extremschwimmerin & Ocean's-Seven-Finisherin
RESTUBE: Wie muss man sich auf die Gefahren vorbereiten?
Nathalie: „Ich habe mich mein Leben lang immer auf das Schlimmste vorbereitet. Also wenn ich wusste, zum Beispiel im Nordkanal, das Wasser wird unter 13 Grad oder 13 Grad Wassertemperatur sein, dann habe ich alles dafür gemacht, um das zu überleben: Ich habe eigenes Körpergewicht zugenommen, um mich ein bisschen zu schützen, weil wir keine Neoprenanzüge haben dürfen. Ich habe damit gerechnet, dass mich eine Qualle nachts oder tagsüber erwischt, die extrem giftig sind, wie zum Beispiel die portugiesische Galeere auf Hawaii. Da kann man sich natürlich nicht drauf vorbereiten, aber einfach diese Szenarien in seinem Kopf durchzuspielen und wirklich sich bis ins kleinste Detail auf alle möglichen Dinge vorzubereiten, das habe ich mein Leben lang gemacht und ist auch sehr wichtig, um einfach das Risiko zu minimieren.“
RESTUBE: Wie sieht deine Vorbereitung im Detail aus?
Nathalie: „Das ist wirklich von Schwimmen zu Schwimmen unterschiedlich: Bis zu sechs Stunden Training am Tag im Pool, dann gehe ich zweimal die Woche ins Krafttraining, um meine spezifische Kraft zu trainieren. Dann natürlich ganz viel Mentaltraining. Auch ganz viel sich mit dem Schwimmen auseinandersetzen, was da vor mir liegt, das ist sehr wichtig. Wir bereiten uns ganz unterschiedlich vor, je nachdem, wie lang das Schwimmen ist, je nachdem, wie kalt das Wasser dort ist, bereite ich mich teilweise mit Eisbaden dann darauf vor. Teilweise jetzt in Vorbereitung für den Nordkanal saß ich bis zu einer Stunde bei fünf Grad in der Eistonne. Am besten ist es natürlich immer, in den Bedingungen vor Ort zu trainieren. Das hilft enorm.“

Von Frankfurt nach Köln: Im August 2026 schwamm Nathalie Pohl in vier Tagen mehr als 200 km durch Main und Rhein, in einer Staffel, die sich etwa alle zwei Stunden abwechselte. Mit der Challenge wurden Spenden für Schwimmkurse für Kinder gesammelt.
RESTUBE: Wie gehst du mit Herausforderungen um?
Nathalie: „Ich glaube, da gibt es kein allgemeines Ding, wie man damit umgeht, aber ich habe immer gelernt, Herausforderungen so annehmen zu können, wie sie sind. Wenn die Bedingungen schlecht werden, die Strömung sich ändert oder mich eine Qualle erwischt, dann kann ich entweder aufgeben oder ich kann versuchen, solange es geht, durchzuhalten. Das habe ich immer versucht, bis zu dem Punkt, wo es einfach gar nicht mehr geht, wo mein Körper gesagt hat, es geht nicht mehr.
Da habe ich wirklich einen sehr hohen Ehrgeiz. Ich glaube, dass man diese Challenges nur schafft, wenn man sie zu 100 Prozent will. Die Ocean’s Seven war mein absoluter Lebenstraum. Ich habe davon gefühlt jede Nacht geträumt. Und wenn man so einen großen Traum hat, dann ist man auch bereit, alles dafür zu geben. Und ich glaube, da draußen hat man ja nur zwei Möglichkeiten, entweder man geht aufs Boot oder man versucht, es so zu akzeptieren. Und das habe ich immer versucht zu machen. Also ich habe immer meinen Körper bis zum absoluten Limit gepusht. Aber ich wusste trotzdem, beziehungsweise hatte ich ein Team dabei, was wusste, wenn meine Grenzen erreicht sind.
Und ich glaube, das ist auch extrem wichtig, einfach ein Team oder Menschen dabei zu haben, die einen zu 100 Prozent kennen und wissen, wann ist das Limit erreicht, weil man das irgendwann nicht mehr selbst entscheiden kann da draußen. Deswegen ist das Team umso wichtiger.“
RESTUBE: Welche Sicherheitsvorkehrungen triffst du vor dem Freiwasserschwimmen?
Nathalie: „Ich glaube, Sicherheitsvorkehrungen, das ist das Wichtigste und ich checke vor meinem Schwimmen immer alles: Sind die Lampen am Boot, habe ich genug Abstand zum Boot, wie werden die Bedingungen vor Ort sein? Ich bin jemand, der gerne alles vorher zehnmal prüft. Ich glaube, alles, was wir im Vorfeld ausschließen können, ist gut und das versuchen wir natürlich zu machen.
Ich glaube, auch als Hobbysportler sollte man sich immer sehr, sehr genau damit auseinandersetzen, in welchen Gewässern man schwimmen geht und das auf gar keinen Fall unterschätzen. Das kann ganz schnell lebensgefährlich werden und man sieht nicht, was unter einem ist. Strömungen können überall sein und deswegen sollte man auf gar keinen Fall alleine ins Freiwasser gehen, also immer mit jemandem zusammen oder eben sogar vielleicht mit einem Boot oder einem Kajak, auf gar keinen Fall alleine rausgehen.“

RESTUBE: Welche Rolle spielt Sicherheit beim Freiwasserschwimmen für dich?
Nathalie: „Das Thema Sicherheit spielt beim Freiwasserschwimmen eine riesige Rolle. Also gerade, wenn wir im Meer schwimmen, ist es so wichtig, sich vorher mit den Gegebenheiten auseinanderzusetzen. Und das darf man wirklich nicht unterschätzen, egal wie gut man schwimmen kann. Und auch gerade die Kälte – das sind alles Faktoren, die ich nie in meinem ganzen Leben unterschätzen würde. Und deswegen ist es einfach super wichtig, da draußen sicher zu sein. Und dafür ist natürlich RESTUBE wirklich perfekt. Einfach eben, weil man eine kleine Boje dabei hat, die einen nicht in der Bewegung einschränkt. Dennoch weiß man, wenn was passiert, bin ich sicher und nicht in Lebensgefahr.
Und ja, ich glaube viel zu viele unterschätzen einfach, wie gefährlich es da draußen sein kann und denken: ,Ich kann gut schwimmen‘. Aber das hat gar nichts damit zu tun. Wenn da draußen tatsächlich eine Strömung kommt, dann kann man der beste Schwimmer der Welt sein und man wird es trotzdem nicht schaffen. Deswegen ist es super wichtig, sich mit dem Thema Sicherheit im Vorfeld auseinanderzusetzen. Damit man am Ende nicht bereut, dass man irgendwas gemacht hat, ohne vorher die Sicherheit abzuklären.“
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