Underwater photo of a boy floating in clear blue water, connected by a leash to an inflated yellow RESTUBE buoy at the surface.

Die Rettungskette gegen Ertrinken: Drowning Chain of Survival erklärt

Ertrinken zählt zu den größten und zugleich am meisten unterschätzten Gesundheitsproblemen weltweit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass jährlich mehr als 300.000 Menschen ertrinken. Damit gehört Ertrinken zu den häufigsten unfallbedingten Todesursachen weltweit – bei Kindern und jungen Erwachsenen sogar zu den häufigsten vermeidbaren Todesursachen überhaupt. Die reale Zahl liegt vermutlich deutlich höher, da Todesfälle durch Überschwemmungen, Bootsunglücke oder andere Wasserkatastrophen oft nicht in die internationalen Statistiken einfließen. Hinzu kommt, dass viele Überlebende bleibende neurologische Schäden davontragen. Ertrinken kann also nicht nur Todesfälle, sondern auch erhebliches langfristiges Leid verursachen.
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Die Rettungskette gegen Ertrinken: Drowning Chain of Survival erklärt

Was ist die Drowning Chain of Survival?

In den vergangenen Jahrzehnten konzentrierte sich die Forschung zum Ertrinken vor allem auf die Reanimation nach der Rettung aus dem Wasser. Neuere Erkenntnisse zeigen: Der entscheidende Faktor für das Überleben setzt bereits viel früher an. Die meisten Ertrinkungsunfälle passieren nicht plötzlich, sondern stellen einen zeitlich fortschreitenden Prozess dar, der an zahlreichen Stellen unterbrochen werden kann. Jede erfolgreiche Intervention senkt das Risiko eines Herz-Kreislauf-Stillstands dabei erheblich.

Aus dieser Erkenntnis entwickelte 2014 eine internationale Expertengruppe unter Leitung des brasilianischen Notfallmediziners David Szpilman die „Drowning Chain of Survival“. Sie gilt heute international als Standardmodell der Wasserrettung.

Infografik mit dem Titel

Die 5 Glieder der Rettungskette im Überblick

Die Drowning Chain of Survival beschreibt fünf aufeinander aufbauende Schritte, um den Ertrinkungsprozess so früh wie möglich zu stoppen. Anders als klassische Rettungskonzepte beginnt sie nicht bei der medizinischen Versorgung oder der Rettung aus dem Wasser, sondern lange davor:

  1. Prävention (Prevent Drowning)
  2. Notlage erkennen (Recognize Distress)
  3. Auftrieb bereitstellen (Provide Flotation)
  4. Aus dem Wasser retten (Remove from Water)
  5. Medizinisch versorgen (Provide Care as Needed)

Jedes Glied baut dabei auf dem vorherigen auf. Gelingt die Prävention, entsteht erst gar kein Notfall. Wird eine Notlage früh erkannt und die Person erhält rechtzeitig Auftrieb, verhindert das oft, dass sie untergeht und einen Sauerstoffmangel im Gehirn entwickelt. Die eigentliche Wasserrettung und die medizinische Versorgung sind damit nur die letzten beiden Glieder einer viel längeren Überlebenskette.

Was bedeutet „Ertrinken“ nach der WHO?

Anders als beim plötzlichen Herztod beginnt Ertrinken fast immer mit der sogenannten „respiratorischen Beeinträchtigung“, einer Funktionsstörung der Atmung: Dabei funktioniert der Gasaustausch in der Lunge nicht mehr richtig. Der Körper bekommt zu wenig Sauerstoff, während sich gleichzeitig Kohlendioxid im Blut anstaut.

Die WHO definiert Ertrinken deshalb als einen Prozess, bei dem durch das Eintauchen oder Untertauchen in eine Flüssigkeit eine respiratorische Beeinträchtigung entsteht. Entscheidend ist das Wort „Prozess“, denn Ertrinken ist kein einzelner Moment, sondern eine fortschreitende Entwicklung, die sich jederzeit erfolgreich stoppen lässt. Ein Ertrinkungsprozess kann tödlich enden, mit bleibenden neurologischen Schäden überlebt werden oder vollständig folgenlos bleiben.

Der erhobene Arm einer schwimmenden Person als Hilfesignal

Was passiert im Körper beim Ertrinken?

Der Ertrinkungsprozess beginnt, sobald die Atemwege mit Wasser in Kontakt kommen. Die betroffene Person hält beim Untertauchen zuerst reflexartig die Luft an, um kein Wasser einzuatmen. Mit der Zeit steigt jedoch der Kohlendioxidgehalt im Blut, und der Atemreiz wird immer stärker. Irgendwann atmet die Person unwillkürlich ein – unter Wasser.

Wasser gelangt in Mund und Rachen, teilweise auch in die unteren Atemwege. Gleichzeitig kommt es häufig zu einem sogenannten „reflektorischen Laryngospasmus“: Die Stimmbänder verschließen sich als Schutzreflex, um weiteres Eindringen von Wasser in die Lunge zu verhindern. Dieser Mechanismus reduziert zwar vorübergehend das Einatmen von Wasser, blockiert gleichzeitig aber auch den Gasaustausch vollständig. In den meisten Fällen löst sich der Laryngospasmus jedoch wieder, sobald der Sauerstoffmangel zunimmt. Dann gelangt Wasser doch in die Lunge. Ein dauerhafter Verschluss, wie ihn der Begriff „trockenes Ertrinken“ suggeriert, ist mit 10–15% demnach die seltene Ausnahme.

Der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt weiter ab, bis zu einem gefährlich niedrigen Sauerstoffgehalt im arteriellen Blut – auch „Hypoxämie“ genannt. Sie führt zunächst zu eingeschränkter kognitiver Leistungsfähigkeit, anschließend zu Desorientierung, Bewusstseinsverlust und schließlich zum Atemstillstand.

Diagramm zum Ertrinkungsprozess: Kopf unter Wasser mit unwillkürlichem Atemreiz führt zu Aspiration von Wasser und Laryngospasmus, der sich aufteilt in 'nasses Ertrinken' (85 %) und 'trockenes Ertrinken' (10–15 %), beide münden in Sauerstoffmangel im Gehirn, Bewusstlosigkeit und Kreislaufstillstand, was zur Gehirnschädigung führt

Warum Sauerstoffzufuhr vor Herzdruckmassage kommt

Der Herz-Kreislauf-Stillstand beim Ertrinken ist somit fast nie die eigentliche Ursache des Notfalls, er ist die Folge des langen Sauerstoffmangels. Das hat direkte Konsequenzen für die Rettung: Bei einem klassischen Herzstillstand steht die Herzdruckmassage zunächst im Vordergrund. Beim Ertrinken zählt vor allem eines: die Sauerstoffversorgung so schnell wie möglich wiederherzustellen.

Deshalb empfehlen die großen internationalen Leitlinien des European Resuscitation Council (ERC), der American Heart Association (AHA) sowie des International Liaison Committee on Resuscitation (ILCOR) ausdrücklich, bei Ertrinkungsopfern möglichst früh mit der Beatmung bei der Reanimation zu beginnen. Der Kreislaufstillstand ist hier fast immer durch Sauerstoffmangel verursacht.

Zeit spielt beim Ertrinken eine größere Rolle als bei vielen anderen Notfällen. Schon wenige Minuten ohne Sauerstoff können das Gehirn dauerhaft schädigen. Gleichzeitig zeigen klinische Registerdaten, dass selbst Betroffene nach längeren Rettungszeiten neurologisch vollständig genesen können, vorausgesetzt es gelingt, den Sauerstoffmangel frühzeitig zu begrenzen und unmittelbar nach der Rettung eine effektive Beatmung einzuleiten. Entscheidend ist also nicht allein die Dauer der Reanimation, sondern wie lange das Gehirn der Hypoxie (Sauerstoffmangel) ausgesetzt war.

Auftrieb in der Wasserrettung – der Paradigmenwechsel

Die Drowning Chain of Survival betrachtet Ertrinken nicht nur medizinisch. Sie verbindet Erkenntnisse aus der Notfallmedizin, der Wasserrettung, der Präventionsforschung und der Human-Factors-Forschung (Forschung zu menschlichem Verhalten in Gefahrensituationen) zu einem gemeinsamen, interdisziplinären Sicherheitskonzept. Besonders das dritte Glied der Rettungskette – Auftrieb bereitstellen – markiert einen echten Paradigmenwechsel. Früher lag der Fokus fast ausschließlich darauf, die Person so schnell wie möglich aus dem Wasser zu holen. Die internationale Wasserrettungsforschung zeigt heute jedoch, dass schon zusätzlicher Auftrieb den Verlauf eines Ertrinkungsunfalls entscheidend beeinflussen kann.

Eine Schwimmerin mit Badekappe und Schwimmbrille ruht sich auf einem aufgeblasenen gelben RESTUBE-Auftriebsmittel in ruhigem Meerwasser aus, im Hintergrund ist eine Küstenstadt zu sehen.

Eigensicherung bei der Rettung: Das Reach-Throw-Wade-Row-Go-Prinzip

Die Drowning Chain of Survival stellt einen klaren Grundsatz voran: Eigensicherung. Jedes Jahr ertrinken Helfer:innen bei spontanen Rettungsversuchen selbst – meist, weil sie ohne Rettungsmittel direkt zur verunglückten Person schwimmen. In Panik klammert sich die Person am Retter fest, und beide gehen unter.

Deshalb empfehlen alle internationalen Wasserrettungsorganisationen: erst Rettungsmittel einsetzen oder Auftrieb verschaffen, bevor direkter Körperkontakt entsteht. Genau das beschreibt das Prinzip „Reach – Throw – Wade – Row – Go“ als zentraler Baustein moderner Wasserrettungsausbildung.

Fazit: Warum die Drowning Chain of Survival Leben rettet

Die Drowning Chain of Survival hat heute längst mehr Bedeutung als nur in der Wasserrettung. International Life Saving Federation, WHO und zahlreiche nationale Wasserrettungsorganisationen empfehlen sie als Standardmodell zur Ertrinkungsprävention und Rettung. Gleichzeitig findet sie zunehmend Eingang in internationale Reanimationsleitlinien und Public-Health-Programme. Ihr besonderer Wert liegt darin, dass sie Prävention, Verhaltensforschung, Rettungstechnik und Notfallmedizin nicht getrennt betrachtet, sondern als aufeinander abgestimmte Bestandteile eines gemeinsamen Sicherheitskonzepts versteht.

Der Fokus verschiebt sich damit von der reinen Behandlung eines Ertrinkungsunfalls hin zur frühestmöglichen Unterbrechung des zugrunde liegenden Sauerstoffmangels. Genau dieser präventive Ansatz gilt heute als einer der wichtigsten Fortschritte der internationalen Ertrinkungsforschung.

Sources

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DLRG, Wasserwacht & RLSS UK: Die Organisationen hinter der Wassersicherheit
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RESTUBE ist ein deutsches Unternehmen für Wassersicherheit, das 2012 gegründet wurde. Wir entwickeln kompakte, aufblasbare Sicherheitsvorrichtungen, die von Schwimmern, Paddlern, Anglern und Wassersportlern auf der ganzen Welt genutzt werden. Der RESTUBE Water Safety Guide ist Teil unserer umfassenden Mission: Wir wollen die Zahl der Ertrinkungsunfälle durch zugängliche, evidenzbasierte Aufklärung verringern - unabhängig von unseren Produkten. Wir arbeiten mit Wassersicherheitsexperten, Rettungsorganisationen und Outdoor-Gemeinschaften zusammen, um die Zeit auf dem Wasser für alle sicherer zu machen.

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